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4 Hauptmodi

Tetrachord

(Tetrachord, griech.: Viersaiter). Die gesamte gregorianische Tonalität lässt sich aus dem Tetrachord entwickeln, vier fallenden Tönen im Abstand von Halbton, Ganzton und Ganzton, die sich zuerst einmal in den PsalmTÖNEN manifestieren. Die Psalmtöne sind noch keine MODI, sie kennen nicht die Spannung vom Ténor (Rezitationston) zu einer Finalis; das Ende des Psalmverses kann in verschiedenen „Differentiae“ auf verschiedenen Tönen enden, vor allem muss es nicht der Finalton der Antiphon sein; so bleibt das Ende eines Verses schwebend, offen. Wenn sich in den Psalmtönen auch schon der Oktoechos abzeichnet, so sind sie strukturell doch noch Urmodi, eingebettet in bestimmte Intervallkonstellationen, aber ohne die Spannung Ténor zur Finalis. In ihrer Struktur sind sie nicht notwendig ident mit den gleichnamigen Modi, den Tonalitäten der Antiphonen. Es ist daher genau zu unterscheiden zwischen PsalmTON und MODUS einer Antiphon.

Die folgende Systematik ist aus dem praktischen Unterricht entstanden und versucht das tonale Denken des 9. und 10. Jahrhunderts darzustellen und unser a-priorisches Denken in Oktaven zu überwinden. Es geht um den Tetrachord, eine Tonraumvorstellung, die auch noch vor der Hexachordtheorie des Hochmittelalters (11.–12. Jahrhundert) liegt. Dieses System soll ein Weg zum Auswendiglernen der Psalmtöne sein.

Die Töne 8, 2 und 3 schöpfen den Tetrachord aus, der 6. Ton reduziert seinen Tonraum überhaupt nur auf drei Töne. Die Töne 1 und 9 erweitern den Raum wieder, aber konstitutiv bleibt die große Terz. 6, 1 und 9 sind also Psalmtöne der Großen Terz (Ganzton und Ganzton). Der 5. Ton erweitert den Tonraum nach unten, der 7. Ton nach oben. Der 4. Ton verwendet davon nur den Tonraum „re – la“. 5, 7 und 4 sind individuelle Töne. Das „magische Quadrat“ stellt das in den Code-Farben dar, die in allen tonalen bzw. modalen Belangen verwendet wird.

Die Grundstruktur der Psalmtöne

8 - 2 und 3 verwenden den Tetrachord pur.

8. und 2. Ton sind bis zur Mediatio ident: Rezitation „do“, Aufstieg „sol - la -do“, letzter Akzent der Mediatio steigt zum „re“. Die Terminatio des 8.Tones beginnt zwei Silben vor dem letzten Akzent mit Unterschwung zum „si“ und endet auf „sol“. Der 2.Ton fällt auf der letzten Silbe vor dem letzten Akzent auf „si“ und endet auf „la“.

Der 3. Ton unterscheidet sich im ersten Halbvers durch den Aufstieg mit Pes „la-do“, die Mediatioformel erweitert die Melodie von 8. und 2.Ton um den Unterschwung „do -la - do“. Seine Terminatio wiederholt diesen Unterschwung und endet auf „la“.

6 - 1 und 9 verwenden die große Terz

Der 6. Ton kommt aus seinen drei Tönen nicht heraus, er kreist in sich. Besonders ist an ihm, dass seine Terminatioformel, wie auch im 4.Ton, bereits 3 Silben vor dem letzten Akzent beginnt.

Der 1. Ton (Incipit mit Pes) umspielt in der Mediatio den Ténor „la“ nach oben zum „sa“ beginnend (Tetrachord! für eine Zeit ohne Noten und ohne Notenlinien ist „do-si-la-sol“ das Selbe wie „sa-la-sol-fa“). Die Terminatio ist im 1. Ton nahezu unendlich vielgestaltig und kann auf fast allen Stufen enden.

Der 9. Ton ist erst im Hoch/Spätmittelalter nachzuweisen. Er bricht den Octoechos auf und wird deshalb und weil er den Ténor wechselt als „tonus peregrinus“ bezeichnet. Der erste Halbvers ist mit dem des 1.Tons ident, allerdings geht der allerletzte Ton der Mediatio nach unten. Damit ist der weitere Verlauf festgelegt: Ténor „sol“ zum „re“ (Das klamaukhafte Kinderlied „Lied der Schlümpfe“ nützt diese Struktur schamlos aus🔊.

5 - 7 und 4 sind individuelle Strukturen, aber weiterhin vom Tetrardus ausgehend zu erklären.

Der 5. Ton ist der Dur-Dreiklang. Alle Akzente gehen nach oben. Seine naive Fröhlichkeit ist in der Gregorianik selten eingesetzt, im Spätmittelalter wird er häufiger und von hier beginnt die Entwicklung der „Kirchentöne“ in Richtung Dur - moll.

Der 7. Ton übersteigt den Tetrachord, der Ténor wird vom „do“ einen Ton höher geschoben zum „re“. Der vorletzte Akzent der Mediatio geht nocheinmal eine kleine Terz höher zum „fa“. Das alles gibt diesem Psalmton den Charakter von Überdruck, Spannnung, Atemlosigkeit.

Der 4. Ton bildet eine eigene Klangwelt, die vom Tetrachord her erklärbar ist, sich aber doch absetzt. Er ist pentatonisch und besteht aus Ganzton und kleiner Terz „re - do - la“. In der neueren Musik wird er gerne als originelle Tonalität verwendet („Smoke on the Water“ Deep purple🔊, „Mackie Messer“ Kurt Weill🔊). Mediatio und Terminatio sind Umspielung des Ténor, nach unten beginnend.

Albert Lortzing nimmt in seiner komischen Oper „Zar und Zimmermann“ diese Struktur aufs Korn, wenn er den Bürgermeister seine „Kantate“ auf den Zaren singen lässt: „Heil sei dem Tag an welchem du bei uns erschienen, dideldum dideldum dideldum, es ist - schon lange her“. Beginnend mit einer zu langen Rezitation folgt der Tetrachord (8-2-3). Das „Zwischenspiel“ bringt die große Terz (6-1-9), die zwei Töne weiter nach unten zur phrygischen Sekund (Halbton) geführt wird (4).🔊

Psalmtöne

Modi

modus/4_hauptmodi.txt · Zuletzt geändert: 2017/04/17 20:33 (Externe Bearbeitung)