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cento_an:cento

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cento_an:cento [2019/09/10 09:33]
georgwais
cento_an:cento [2019/09/10 09:58] (aktuell)
georgwais
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 **Akzentgefüge** und die **Interpunktion**  beachtet (grammatikalische Dimension, sie prägt schon die ältere //responsoriale Komposition//), andererseits werden konsequent dem **Akzentgefüge** und die **Interpunktion**  beachtet (grammatikalische Dimension, sie prägt schon die ältere //responsoriale Komposition//), andererseits werden konsequent dem
 **Tonfall** und der **Aussagerichtung** entsprechend die Melodiebausteine ausgewählt (emotionale Dimension, sie prägt eigentlich die //antiphonale Komposition//). Davor liegt die Wahl des Modus, die der konkreten Antiphon eine Grundbedeutung vorgibt. **Tonfall** und der **Aussagerichtung** entsprechend die Melodiebausteine ausgewählt (emotionale Dimension, sie prägt eigentlich die //antiphonale Komposition//). Davor liegt die Wahl des Modus, die der konkreten Antiphon eine Grundbedeutung vorgibt.
 +
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 ===== MODUS =====  ===== MODUS ===== 
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   TETRARDUS authenticus (7): jugendlich begeistert, plagalis (8): abgeklärt, weise.   TETRARDUS authenticus (7): jugendlich begeistert, plagalis (8): abgeklärt, weise.
  
-Welchem Modus ein Cento oder Typos zugehört mit der Ziffer am Beginn der Kurzbezeichnung angegeben: 1 TYPOS, 8INC. +Welchem Modus ein Cento oder Typos zugehört mit der Ziffer am Beginn der Kurzbezeichnung angegeben: 1 TYPOS, 8INC. 
 + 
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 ===== TYPOS =====  ===== TYPOS ===== 
  
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 Normale Texte, die keine spezielle Aussageabsicht vertonen wollen oder müssen und die immer die gleiche Struktur aufweisen, werden mit immer demselben Melodieablauf gesungen. Sie sind "typisch" für den jeweiligen Modus und werden daher TYPOS genannt. Der Begriff "Typusmelodie" wird von uns nicht benutzt, um der Verengung des Blicks auf die bloß melodische Seite der Antiphonen nicht Vorschub zu leisten.  Normale Texte, die keine spezielle Aussageabsicht vertonen wollen oder müssen und die immer die gleiche Struktur aufweisen, werden mit immer demselben Melodieablauf gesungen. Sie sind "typisch" für den jeweiligen Modus und werden daher TYPOS genannt. Der Begriff "Typusmelodie" wird von uns nicht benutzt, um der Verengung des Blicks auf die bloß melodische Seite der Antiphonen nicht Vorschub zu leisten. 
  
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 {{ :cento_an:typ_4teilig_7.png?400|}} {{ :cento_an:typ_4teilig_7.png?400|}}
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 der TYPOS Protus von der Quart. der TYPOS Protus von der Quart.
  
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-Zweiteilige Texte bestehen nur aus INC und TER.+Zweiteilige Texte bestehen nur aus Incipit – Terminatio: 
 + 
 +  INC   Incipit 
 +  TER   Terminatio
  
 Es kommen aber auch dreiteilige Texte vor. Sie bestehen aus  Es kommen aber auch dreiteilige Texte vor. Sie bestehen aus 
  
-Incipit – einem Binnencento (Binnenteil), der nicht unbedingt abschließt wie die MDT, oder neu beginnt wie der Cento NOV – Terminatio.+Incipit – einem Binnencento (Binnenteil), der nicht unbedingt abschließt wie die MDT, oder neu beginnt wie der Cento NOV – Terminatio:
  
   INC   Incipit   INC   Incipit
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 Die "O-Antiphon" ist ein sechsteiliger TYPOS. Die "O-Antiphon" ist ein sechsteiliger TYPOS.
  
--------------------------------------------------------------+--------------------------------------------- 
 ===== CENTO =====  ===== CENTO ===== 
  
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 damit sind die hauptsächlichen Incipit-Möglichkeiten des Protus authenticus benannt. damit sind die hauptsächlichen Incipit-Möglichkeiten des Protus authenticus benannt.
  
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 ===== FORMULA =====  ===== FORMULA ===== 
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 **[[cento_an:pr1_fml_pecl|1FML PeCl]]** Die Umspielung einer syllabischen Melodie mit Pes und Clivis, um das Wort zu verstärken, hervorzuheben. Sie ist in allen Modi zuhause. **[[cento_an:pr1_fml_pecl|1FML PeCl]]** Die Umspielung einer syllabischen Melodie mit Pes und Clivis, um das Wort zu verstärken, hervorzuheben. Sie ist in allen Modi zuhause.
-"E-go sum lux mundi" der Cento **[[cento_an:pr1_inc_vrgstr|1INC Vrgstr]]** müsste syllabisch beginnen, die Formel PeCl hebt das Wort "Ich" "Ego", Christus spricht von sich selbst, hervor ([[ant:0818|0818]]).+"E-go sum lux mundi" der Cento **[[cento_an:pr1_inc_vrgstr|1INC Vrgstr]]** müsste syllabisch beginnen, die Formel PeCl hebt das Wort "Ich" – "Ego", Christus spricht von sich selbst, hervor ([[ant:0818|0818]]). 
 + 
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 ===== NEUMA =====  ===== NEUMA ===== 
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 Formeln können sich auf eine einzige Silbe reduzieren, anders gesagt, auch einzelne Neumen haben Formelcharakter; sie definieren die Normalmelodie genauerhin. Das Beispiel [[ant:0818|0818]]  zeigt auf den Standard-Cento 1INC Vrgstr neben der 1FML Pecl auch noch einen Pes subpunctis [[neumen:pessubpunctis|Pes sbp]] (theologische Bedeutungsschwere) auf "lux"  und einen nk[[neumen:pes_clivis|Pes]] (Akzentverstärkung) auf "múndi" aufgesetzt. Die semiologische Bedeutung der einzelnen Neumen siehe dort. Auch die Neumen werden grundsätzlich mit Sigeln aus drei Buchstaben bezeichnet (Pes, Clv, Trc, Por, Sca, Clm), aber in Kleinbuchstaben. Formeln können sich auf eine einzige Silbe reduzieren, anders gesagt, auch einzelne Neumen haben Formelcharakter; sie definieren die Normalmelodie genauerhin. Das Beispiel [[ant:0818|0818]]  zeigt auf den Standard-Cento 1INC Vrgstr neben der 1FML Pecl auch noch einen Pes subpunctis [[neumen:pessubpunctis|Pes sbp]] (theologische Bedeutungsschwere) auf "lux"  und einen nk[[neumen:pes_clivis|Pes]] (Akzentverstärkung) auf "múndi" aufgesetzt. Die semiologische Bedeutung der einzelnen Neumen siehe dort. Auch die Neumen werden grundsätzlich mit Sigeln aus drei Buchstaben bezeichnet (Pes, Clv, Trc, Por, Sca, Clm), aber in Kleinbuchstaben.
  
 +---------------------------------------------
  
 ===== verwendete BEGRIFFE =====  ===== verwendete BEGRIFFE ===== 
  
-**<fc #4682b4>O</fc>**    Oxytonon der Akzent liegt auf der letzten Silbe des Wortes.                "<fc #ff0000>cor</fc>"- / +**<fc #4682b4>O</fc>** – Oxytononder Akzent liegt auf der letzten Silbe des Wortes"<fc #ff0000>cór</fc>"
- +
-**<fc #4682b4>PO</fc>**   Paroxytonon  der Akzent liegt auf der vorletzten Silbe des Wortes.         "<fc #ff0000>déus</fc>" /. +
- +
-**<fc #4682b4>PPO</fc>**  Proparoxytonon der Akzent liegt auf der drittletzten Silbe des Wortes.     "<fc #ff0000>dóminus</fc>" /..+
  
-**<fc #4682b4>PPPO</fc>** Praeproparoxytonon der Akzent liegt auf der viertletzten Silbe des Wortes. 0728"<fc #ff0000>nósmedipsos</fc>"  1645 "<fc #ff0000>gló-riosa</fc>" /... +                                                      /
  
-**steile Fügung** Zwei Akzentsilben treffen unmittelbar aufeinander, ohne dass eine unbetonte Silbe dazwischenliegt, wie es das lateinische Sprachempfinden verlangt, im Deutschen passiert das nicht allzu selten. Im Gregorianischen Choral treffen diese beiden Systeme aufeinander.  
  
 +**<fc #4682b4>PO</fc>** – Paroxytonon: der Akzent liegt auf der vorletzten Silbe des Wortes: "<fc #ff0000>déus</fc>"
  
-===== alle TYPOI ===== +                                                      /  .
  
 +**<fc #4682b4>PPO</fc>** – Proparoxytonon: der Akzent liegt auf der drittletzten Silbe des Wortes: "<fc #ff0000>dóminus</fc>"
  
-^MODUS  ^                                              ^                            ^              ^           ^ +                                                      /   .
-^PR auth|**[[cento_an:pr1_typos|1 TYPOS]]**            |                            |              |           | +
-^   plag|**[[cento_an:pr2_typos_o|2 TYPOS-O]]**        |**[[cento_an:pr2_typos_rez_re|2 TYPOS Rez re]]**|**[[cento_an:pr2_typos_ad4|2 TYPOS ad4]]**|              | +
-^   de 4|**[[cento_an:prq_typos|Q TYPOS]]**            |                                                   | +
-^DT auth|                                              |                                                   | +
-^   plag|                                              |                                                                             +
-^TR auth|**[[cento_an:tr5_typos_allel|5 TYPOS Allel]]**                  |                                     | +
-^   plag|**[[cento_an:tr6_typos_mai|6 TYPOS maior]]**  |**[[cento_an:tr6_typos_triv|6 TYPOS trivium]]**|**[[cento_an:tr6_typos_simpl|6 TYPOS simplex]]**|**[[cento_an:tr6_typos_arch|6 TYPOS archaicus]]**| +
-^TT auth|**[[cento_an:tt7_typos_solsi|7 TYPOS SolSi]]**|**[[cento_an:tt7_typos_resi|7 TYPOS ReSi]]**|          | +
-^   plag|**[[cento_an:tt8_typos_4pes|8 TYPOS 4Pes]]**  |**[[cento_an:tt8_ter_dupl|8 TYPOS duplex]]**|**[[cento_an:tt8_typos_soll|8 TYPOS SoLL]]**|**[[cento_an:tt8_typos_arch|8 TYPOS archaicus]]**|+
  
 +**<fc #4682b4>PPPO</fc>** – Praeproparoxytonon: der Akzent liegt auf der viertletzten Silbe des Wortes. [[ant:0728]] "<fc #ff0000>nósmetipsos</fc>", [[ant:1645]] "<fc #ff0000>glóriosa</fc>"
  
 +                                                      /  .  .  .
  
-4 TYPOS zweiteilig ?+**<fc #4682b4>steile Fügung:</fc>** Zwei Akzentsilben treffen unmittelbar aufeinander, ohne dass eine unbetonte Silbe dazwischenliegt, wie es das lateinische Sprachempfinden verlangt, im Deutschen passiert das nicht allzu selten. Im Gregorianischen Choral treffen diese beiden Systeme aufeinander: [[ant:0421]] "Beati omnes <fc #ff0000>quí tíment</fc> DOMINÚM."
cento_an/cento.1568108031.txt.gz · Zuletzt geändert: 2019/09/10 09:33 von georgwais